Indikationen

Damit wir "Luft bekommen", muss auf der einen Seite die Lunge (gasaustauschendes Organ) richtig funktionieren, auf der anderen Seite muss die Atempumpe in der Lage sein, ausdauernd und effektiv zu arbeiten.

Die Atempumpe des Menschen besteht aus vier Abschnitten:

  • dem Atemzentrum im Gehirn
  • der Nervenleitung
  • der Atemmuskulatur
  • dem Brustkorb

Entsprechend kann bei folgenden – im laufenden Text näher erklärten - Krankheitsbildern eine Heimbeatmung notwendig werden:

  • Atemantriebsstörungen im Gehirn
  • Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Muskelerkrankungen
  • Erkrankungen mit Veränderungen des Brustkorbes
  • Weitere Erkrankungen, die zur Einleitung einer Heimbeatmung führen können

Atemantriebsstörungen im Gehirn

Undine-Fluch-Syndrom
Seltene angeborene Erkrankung des zentralen Nervensystems mit fehlender oder gestörter autonomer Atmungskontrolle. Ein Kohlendioxidanstieg oder Sauerstoffabfall im Blut wird im Schlaf nicht mit Atemarbeit beantwortet, weshalb diese Kinder häufig nachts beatmet werden müssen. Im Wachzustand atmen die meisten „Undine-Kinder“ oberflächlich aber ausreichend. Etwa 17% der Kinder atmen aber auch im Wachzustand nicht suffizient -hier ist eine Beatmung über 24 Stunden notwendig. Diese Kinder werden häufig mit einem Zwechfellschrittmacher versorgt. Dieser stimuliert den Nervus phrenicus und löst somit eine Inspiration aus.

www.undinesyndrom.de

Schädel-Hirn-Trauma
Das Schädel-Hirn-Trauma ist eine Kopfverletzung mit Gehirnbeteiligung und Bewusstseinsstörung, die je nach Schwere bis zum Ausfall der Hirnstammreflexe, Atemstörung und Kreislaufstillstand führen kann.

www.schaedel-hirnpatienten.de

Schlaganfall/Apoplex
Schädigung eines umschriebenen (begrenzten) Gehirnbereiches aufgrund eines Durchblutungsstops oder einer Massenblutung mit einer Beeinträchtigung der vom betroffenen Bezirk gesteuerten Funktionen, z.B. Empfindungsvermögen, Bewegung etc. Thrombose oder Embolie führen zur Unterbrechung der Blutzufuhr zu einem umschriebenen Gehirnbereich und damit zu einem Infarkt(Gewebstod) Durch das Platzen eines Blutgefäßes in oder nahe dem Gehirn kann eine intracerebrale Hämorrhagie (Hirnblutung) oder eine Subarachnoidalblutung (Hirnhautblutung) eintreten. Zum Schlaganfall kann es in jedem Gehirnbereich kommen.

  • Thrombose: 40 bis 50 % der Schlaganfälle
  • Embolie: 30 bis 35 % der Schlaganfälle
  • Hämorrhagie: 20 bis 25 %

www.schlaganfallhilfe.de


Neuromuskuläre Erkrankungen

Amyotrophe Lateralsklerose
Die Amyotrophe Lateralsklerose ist eine neurodegenerative Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Sie wurde erstmalig von Jean-Martin Charcot beschrieben (deshalb auch Charcot-Krankheit), der den Namen aus der Verhärtung (Sklerose) des seitlichen (lateralen) Rückenmarkes, wo die motorischen Bahnen verlaufen, und dem Muskelabbau (Amyotrophie) zusammensetzte.

Die Abkürzung für Amyotrophe Lateralsklerose ist ALS. ALS hat nichts mit MS (Multiple Sklerose) zu tun, es handelt sich um zwei unterschiedliche Erkrankungen! Die Krankheit beginnt meistens zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, selten sind jüngere Erwachsene betroffen. Männer erkranken etwas öfter als Frauen (1,6:1). Die ALS betrifft nahezu ausschließlich das motorische Nervensystem.

Das motorische System, das unsere Muskeln kontrolliert und die Bewegungen steuert, erkrankt sowohl in seinen zentralen („oberes oder 1. Motoneuron“ im Gehirn und Pyramidenbahn) als auch in seinen peripheren Anteilen („unteres oder 2. Motoneuron“ in Hirnstamm und Rückenmark mit den motorischen Nervenfasern bis zum Muskel).

Die Erkrankung der motorischen Nervenzellen im Rückenmark und deren Fortsätze zur Muskulatur, führt zu unwillkürlichen Muskelzuckungen (Faszikulationen), Muskelschwund (Atrophie) und zur Muskelschwäche (Paresen) an Armen und Beinen und Atemmuskulatur. Die Erkrankung der motorischen Nervenzellen im Hirnstamm führt zu einer Schwächung der Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur. Diese Form der ALS nennt man auch Progressive Bulbärparalyse.

Die Erkrankung der motorischen Nervenzellen in der Hirnrinde und deren Verbindungen zum Rückenmark, führt sowohl zu einer Muskellähmung als auch zu einer Erhöhung des Muskeltonus (spastische Lähmung) mit einer Steigerung der Reflexe.

www.lateralsklerose.info (hier finden Sie nach PLZ geordnete Spezialambulanzen)

www.dgm.org

www.angelikahauffe.de

Post-Polio-Syndrom
Etwa 60 % der Patienten, die in der Kindheit eine Kinderlähmung (Poliomyelitis) erlitten haben, klagen nach einer jahrzehntelangen stabilen Phase über Symptome wie neue Lähmungen, abnorme Erschöpfung und Muskelschmerzen. Heute gilt als gesichert, dass es sich beim Postpoliosyndrom um eine eigenständige Zweiterkrankung handelt. Es wird vermutet, dass eine Überlastung zu einer Zerstörung der verbliebenen Nerv-Muskel-Verbindung führt.

www.polio-selbsthilfe.net

Myasthenia Gravis
Das klinische Hauptsymptom der Myasthenia Gravis ist die abnorme Ermüdbarkeit der quergestreiften Muskulatur mit abnormer, belastungsabhängiger Muskelschwäche. Typisch: Befall der äußeren Augenmuskeln, der Kau- und Schlundmuskulatur, der Atemmuskulatur und der quergestreiften Skelettmuskulatur. Die myasthene Krise ist ein lebensbedrohlicher Zustand mit rasch zunehmender Lähmung, die in einer Ateminsuffizienz und damit Beatmungspflicht gipfeln kann.

www.dgm.org

Guillian Barre-Syndrom
Entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven, die zu einer Schwäche der Gliedmaßen führt. Charakteristisch beginnt GBS mit einer allgemeinen, schnell voranschreitenden Schwäche, gefolgt von Empfindungsstörungen und Lähmungserscheinungen in Beinen und Armen. Gelegentlich sind auch die Atem- und Gesichtsmuskeln betroffen. Die Ursache der Erkrankung ist unklar, als wahrscheinlich gelten Infektionen mit Viren oder Bakterien bzw. eine Störung des Immunsystems. Bei einer Lähmung der Atemmuskulatur kann eine Beatmung notwendig werden. In vielen Fällen erholen sich diese Patienten nach einigen Wochen oder Monaten vollständig! 

www.gbsinfo.de

Poliomyelitis
Bei der Poliomyelitis -auch Kinderlähmung genannt – handelt es sich um eine durch Viren ausgelöste Erkrankung der muskelsteuernden Nerven des Rückenmarks. Die Ausprägung der Symptome nach erfolgter Ansteckung kann sehr unterschiedlich sein: die Poliomyelitis kann „klinisch stumm“ verlaufen, es gibt Verläufe mit grippeähnlichen Symptomen, es kann aber auch zu schlaffen Lähmungen von Muskeln und Muskelgruppen kommen.

www.polio-selbshilfe.net

Querschnittslähmung
Durch Schädigung des Rückenmarks kommt es zum Ausfall motorischer, sensibler und vegetativer Nervenleitbahnen. Das Störungsbild hängt ganz wesentlich von der Höhe und dem Ausmaß der Schädigung ab. Die Atmung kann bei einer Querschnittslähmung – je nach Sitz der Verletzung – ganz oder teilweise beeinträchtigt sein.

www.der-querschnitt.de

www.wingsforlife.com (sehr gute Seite von Betroffenen für Betroffene


Muskuläre Erkrankungen

Progressive Muskeldystrophie (Duchenne, Becker)
Progressive Muskeldystrophie ist der übergeordnete Begriff für eine Gruppe von verschiedenen, chronisch verlaufender Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Funktionsverlust der Muskelsubstanz einhergehen.

www.dgm.org

www.muskel-dystrophie.de


Erkrankungen mit Veränderungen des Brustkorbes

Kyphoskoliose
Anomalien des Knochenbaus im Brustkorb, z.B. Skoliose oder Kyphose, können eine insuffiziente Umsetzung von Atemarbeit in tatsächliche Ventilation zur Folge haben. Das heißt, das Verhältnis von geleisteter Atemarbeit zum Ergebnis („Luft bekommen“) ist gestört. Auf Dauer erschöpft sich die überbeanspruchte Atemmuskulatur und die Betroffenen leiden unter Atemnot.

  • Kyphose: konvexe Krümmung der Wirbelsäule nach hinten („Buckel“)
  • Skoliose: seitliche Verbiegung der Wirbelsäule mit Drehung der einzelnen Wirbelkörper
  • Kyphoskoliose: gleichzeitiges Bestehen von Kyphose und Skoliose

Weitere Erkrankungen, die zur Einleitung einer Heimbeatmungstherapie führen können

Obstruktive Lungenerkrankungen - COPD
Chronic Obstructive Pulmonary Disease bezeichnet eine chronische obstruktive Bronchitis mit oder ohne Lungenemphysem. Das Schlüsselwort ist dabei „obstruktiv“, der besagt, dass die Bronchien dauerhaft verengt sind. Diese Verengung führt zur Atemnot, dem wichtigsten Symptom der COPD. Die Verengung der Bronchien wird durch eine Verkrampfung der Bronchialmuskulatur, ein Anschwellen der Schleimhaut in den Bronchien und eine krankhaft erhöhte Schleimproduktion verursacht. Ohne Behandlung werden im weiteren verlauf die Lungenbläschen in Mitleidenschaft gezogen und zerstört. Es kommt zu einer krankhaften Überblähung der Lunge, was letztlich zu einem Lungenemphysem führen kann. Die Lunge sieht dann nicht mehr aus wie eine „Rebe mit Trauben“, sondern wie ein „großer Ballon“. Zur Obstruktion ist dann zusätzlich die Fläche für den Gasaustausch stark vermindert.

www.lungeninformationsdienst.de

www.lungenemphysem-copd.de (eine Seite von Betroffenen für Betroffene)

Locked-In-Syndrom
Das Locked-In-Syndrom (eingeschlossen sein) bezeichnet einen Zustand, bei dem der Patient bei erhaltenem Bewusstsein fast vollständig unfähig ist, sich sprachlich, mimisch oder physisch verständlich zu machen. Die kommunikationsmöglichkeiten ergeben sich nur durch vertikale Augenbeweglichkeit. Der Hörsinn ist vollkommen intakt. Zu neurologischen Ursachen eines LIS zählen Läsionen in der Pons („Brücke“ – Abschnitt des Hirnstamms, gehört zum zentralen Nervensystem und enthält wichtige Hirnnervenkerne : Siehe PDF bei Medilearn.de, manchmal im Mittelhirn oder auf beiden Seiten der Capsula Interna. Den Läsionen liegt im Allgemeinen eine Gefäßstörung eine Thrombose der Arteria basiliaris zugrunde. Es ist wichtig, das LIS von anderen Formen des Querschnitts mit Bewusstseinsverlust und vom Wachkoma zu unterscheiden. Ein Patient im LIS ist aufnahmefähig wie ein gesunder Mensch, er kann alles hören und verstehen, er kann sich aber nicht / nur sehr eingeschränkt mitteilen vertikalen Blickbewegungen / Augenbewegungen möglich.

www.locked-in-syndrom.org

www.lockedinsyndrom.de

Wachkoma
Das Wachkoma ist ein schlafähnlicher Zustand. Der Patient ist zwar wach und hat die Augen offen, ist aber nicht oder kaum zu einer eigenen Äußerung oder Reaktion fähig. Der Blick geht meist ins Leere, die Umwelt wird wahrgenommen aber nicht wirklich zugeordnet. Im Gegensatz zum Locked-In-Syndrom liegt eine Schädigung des Großhirns mit schwersten Störungen höherer Hirnfunktionen vor.

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